Die industrielle Herstellung von Zell- und Gentherapien gilt als einer der größten Engpässe der Branche. Insbesondere AAV-basierte Gentherapien sind bislang so kostenintensiv, dass ihr Einsatz häufig auf seltene Erkrankungen beschränkt bleibt. Vor diesem Hintergrund formiert sich in Österreich ein neues Netzwerk, das genau hier ansetzen will.
Initiiert von bespark*bio um Matthias Müllner bündeln mehrere spezialisierte Technologieunternehmen ihre Kompetenzen, um eine skalierbare Produktionsplattform für AAV-Vektoren zu entwickeln. Beteiligt sind Holloid, Novasign, QUBICON sowie enGenes Biotech GmbH.
Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner
Der Ansatz ist klar technologiegetrieben: Holloid setzt auf holografische Echtzeit-Bildgebung und erlaubt dadurch ein besseres Auslesen von prozessbedingten Veränderungen in Zellkulturen. Auch Novasign bringt ein KI-gestütztes Werkzeug in das Netzwerk ein, mit dem eine bessere Prozessmodellierung gelingt. QUBICON steuert Automatisierungslösungen bei, enGenes neuartige Plasmidtechnologien. Zusammen mit der Bioprozess-Expertise von bespark*bio soll so eine adaptive Plattform entstehen, die Ausbeute, Reproduzierbarkeit und Skalierbarkeit deutlich verbessert.
Herausforderung Kostendruck
Damit adressiert das Konsortium zentrale Herausforderungen der Branche: komplexe, schwer kontrollierbare Produktionsprozesse, geringe Ausbeuten und lange Entwicklungszeiten. Ziel ist es, die Herstellungskosten deutlich zu senken und so den Zugang zu Gentherapien zu verbreitern. Matthias Müllner kommentierte gegenüber |transkript.de den Schritt zu dieser Bündelung der Kräfte: „In unserem Netzwerk gibt es eine Vielzahl an innovativen Technologien und Unternehmen, die zwar in ähnlichen Bereichen aber alle etwas isoliert tätig sind. Bei einem gemeinsamen Kaffee auf einer Konfernez sind uns dann aber die möglichen Schittstellen für eine Kooperation aufgefallen. Nach ein weiteren gemeinsamen Gesprächen ist letztendlich die Idee entstanden, unsere Kräfte für die lösung eines der größten Probleme bei der Herstellung von neuen AAV-basierte Gentherapien zu bündeln. Mit der FFG COIN (Cooperation & Innovation) Förderung war auch relativ rasch die passende finanzielle Unterstützung gefunden und ein gemeinsaer Antrag wurde erfolgreich eingebracht.“
Netzwerk statt Einzelkampf
Das Netzwerk reiht sich in eine wachsende Zahl europäischer Initiativen ein, die versuchen, die industrielle Basis für Advanced Therapies zu stärken. Denn trotz klinischer Fortschritte bleibt die Produktion der limitierende Faktor – und damit entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des gesamten Feldes.